Gefördert durch die Kulturstiftung des Bundes:

Thalia Theater Halle:

Hotel Neustadt

ist eine Vision die im Sommer 2003 entstand. Ein Hotel in einem leerstehenden Hochhaus. Geführt, geplant und gebaut von Jugendlichen der Stadt Halle Saale und ein internationales Theaterfestival, das im September 2003 in eben diesem Hotel zum Thema "Leben in Großwohnsiedlungen" stattgefunden hat, sowie ein umfangreiches Programm vor weg in Fernost - dem Büro der Projektleitung im S-Bahnhof Neustadt. .

Diese website dokumentiert fragmentarisch die Ereignisse.
Eine vollständigere Dokumentatin in Buchform wird es frühestens Mitte 2004 geben.
Dann wird der Dokumentarfilm von Karolin Ernst fertig sein.

Die CD mit den Liedern aus dem Hitlabor Quick gibt es zu ordern unter p.bert@web.de.

Für weitere Informationen nehmen Sie bitte zu uns Kontakt auf.


Schau Dir eine Nacht deine Stadt an.
"Hallo Neustadt" stand von Februar bis Oktober am S-Bahnhof statt "Halle-Neustadt". Diese Nachricht war vielschichtiger als viele ahnten.
Das rote "o" kam eines Tages mit einem alten VW-Passat angefahren, darin saßen die zwei Künstler Lukas Kühne und Ingo Fröhlich. Wir hatten sie gebeten, zur Eröffnung des Thalia Theater Büros "fernost" im Bahnhof eine Lichtinstallation zu machen. Das "o" ist also Kunst. Es war aber auch die Nachricht zur Ankunft des Thalia Theaters an die Bürger von Neustadt. Außerdem war es ein leises Wachrütteln.

Thalia goes Neustadt. Wie kam es dazu?
Nach dem erfolgreichen Projekt Kinderstadt "Halle an Salle" im vergangenen Jahr stand sehr schnell fest, dass es in der darauf folgenden Spielzeit ein Projekt von und für Jugendliche geben sollte. Ein Thema, einen Aufhänger zu finden, der Jugendliche zwischen 14 und 18 interessieren könnte, fiel nicht so leicht. Bedenkt man, dass alle die darüber grübelten das Teenageralter hinter sich gelassen hatten. Aber an seine Jugend erinnert man sich gern und dann fällt einem auch wieder ein, was in der pubertären Phase wichtig war.
Wer bin ich? Wie will ich leben? Wie wohnen? Fragen, die junge Menschen bewegen. Ihren eigenen, ganz individuellen Weg finden, es anders, besser machen als sie es gewohnt sind...
WOHNEN – das Schlüsselwort. Die Idee des temporären Wohnprojektes von, für und mit Jugendlichen war entstanden. Hinzu kam die Suche nach einem neuen Konzept für das vom Thalia Theater initiierte Festival "Hundstage". Die Verknüpfung des von Jugendlichen entworfenen und betriebenen Hotels mit einem internationalen Festival drängte sich förmlich auf.
Das Hotel - ein Beherbergungs- , Arbeits- und Veranstaltungsort in dem Jugendliche neben Theaterleuten und internationalen Künstlern wohnen und gemeinsam agieren. Ein Ort der Kommunikation.

Die nächste Etappe: die Suche nach einem geeigneten Ort.
Das Thalia Theater, neuerdings für seinen Hang zum Nomadentum bekannt, hatte schon länger einen Anlass gesucht, ein Projekt in der Neustadt umzusetzen, das Spezielle dieses Stadtteils, seine Geschichte und Perspektiven zu thematisieren und den für Theater bisher unerschlossenen Ort als Aktionsraum zu nutzen.
Auf der Suche nach einem geeigneten Gebäude für das Hotel Neustadt entschieden wir uns für das Zentrum von Neustadt, geprägt durch die fünf "Scheiben". Vier von ihnen stehen seit Jahren leer– symptomatisch für den Stadtteil.

Die "Scheibe A", Block 007, der Achtzehngeschosser in der Neustädter Passage 18, direkt am Neustädter Platz sowie der gegenüber gelegene S-Bahnhof von Halle-Neustadt gaben das ideale Ensemble für das geplante Wohn- und Festival-Hotel. Die Einigung mit der Deutschen Bahn Station&Service sowie Alster Office Limited, der Eigentümerin der Scheibe A, über die temporäre Nutzung ihrer Gebäude gaben den Weg frei. Das Thalia Theater zog in die Neustadt, im Februar diesen Jahres zunächst mit dem Projektbüro "fernost". Zum Auftakt der neuen Spielzeit 2003/2004 folgte die gesamte Belegschaft in die temporäre Wirkungsstätte.

In den letzten Monaten wurde unser Treiben interessiert von Anwohnern beobachtet. Unzählige Male haben wir unser Vorhaben geduldig erklärt, sind ins Gespräch gekommen, haben Geschichten und Anekdoten gehört.


Das Festival Wie geht das zusammen, ein von Jugendlichen betriebenes temporäres Hotel und gleichzeitig ein internationales Festival? Wie kann ein Theaterfestival in einem Hochhaus stattfinden?
Fragen, die uns dabei häufig begegneten und auf die wir folgende Antwort haben:
"Hotel Neustadt" war ein Festival der anderen Art, keines der klassisches Theater-Gastspielfestivals, zu denen fertige Produktionen eingeladen werden. Der Festivalbegriff wird hier in vielerlei Hinsicht erweitert – hinsichtlich des Ortes, des Raums, der teilnehmenden Künstler, der Besucher, der Interaktion.
Das Hotel war das Festival. Alles, was während des Festival geschah und jeder der beim Festival aktiv war, gehörte zum Hotel: Jugendliche, eingeladene Künstler, das Thalia Theater, die Besucher.
Unser Ziel war es dafür Künstler zu gewinnen, die hier in Halle-Neustadt gemeinsam an künstlerischen Ansätzen des Umgangs mit der Umstrukturierung schrumpfender Großwohnsiedlungen und den Befindlichkeiten ihrer Bewohner arbeiten. Wohnen und Leben im Allgemeinen und Speziellen (in der Platte), Hotel, städtebauliche Wandlungsprozesse und Visionen sind zentrale Themen des Festivals. Unter diesen Aspekten haben wir zu Beginn des Jahres 2003 eine internationale Ausschreibung an Künstler – Theaterschaffende, Performer, Aktionskünstler, Musiker, Installationskünstler, Architekten - geschickt mit dem Aufruf, künstlerische Projektideen für das Hotel Neustadt einzureichen. Zu unserer Freude erreichten uns 50 Vorschläge, aus denen eine international besetzte Jury Ende März 2003 zehn Projekte als Favoriten auswählte. Seit der Juryentscheidung waren wir im ständigen Kontakt mit den entsprechenden Künstlern, um ihre Vorschläge vor Ort zu verankern – in Räumen und auf Fluren in der Scheibe A, auf dem Neustädter Platz oder im S-Bahnhof. Viele von ihnen sind in den Monaten vor dem Festival nach Halle-Neustadt gekommen, um vor Ort mit uns ihre Ideen weiter zu entwickeln und an die Gegebenheiten anzupassen.
Zum 01.09.2003 haben wir sie eingeladen, nach Neustadt zu kommen und Quartier im Hotel zu beziehen. Bis zur Festivaleröffnung hatten sie Gelegenheit, an ihren eigenen Produktionen zu arbeiten und dabei immer den Blick aufs Ganze zu behalten.

Vom 19.09. bis 02.10. stand das Festival Hotel Neustadt den Besuchern offen. Einerseits als Hotel zum Übernachten. Ein Hotel mit 91 individuell gestalteten Zimmern die Sie im Rundgang ansehen können, mit Bar, Frühstückscafe, Zimmerservice, Musikalischem Weckdienst, Sauna, Keller-Club, Konferenzräumen, Wellnessetage, Friseur, Casino, Golfclub, Okrakel, eigener Souveniermanufaktur, und der einzigartigen Athmosphäre eines Orte an dem man das Gefühl hat, man arbeitet gemeinsam an etwas sehr besonderem.

Die vorläufige Auswertung sieht so aus:
Ein durchschnittlich zu 80% ausgebuchtes Hotel, mit Übernachtungsgästen aus aller Welt, wie auch aus Halle, wie die Bürgermeisterin Frau Häusler und ihren DezernentInnen. Über 100 beteiligte Jugendliche bei der Planung, dem Ausbau der Zimmer und beim Betrieb des Hotels und des Clubs. Über 60 beteiligte, glückliche KünstlerInnen. Ein Festival mit Besucherzahlen die nicht nur in Halle ihres gleichen suchen. Eine tägliche Kollumne aus dem vorort Büro der Mitteldeutschen Zeitung und zahllose überregionale Berichte (Zeit, FR, Deutschlandradio, ZDF, Arte, Schweizer Fernsehen...). Und nicht zu vergessen, eine große Zahl an offengelegten Entwicklungspotentialen für Halle Neustadt, Scheibe A und das Bahnhofsgebäude.